Great Lake Swimmers : Bodies and Minds

Still und heimlich kam im April das zweite Album von Tony Dekker aka Great Lake Swimmers heraus. Interessierte wieder mal keinen, außer ein paar Online-Fanzines vielleicht. Das könnte daher kommen, dass gestresste Redakteure in ihrem hektischen Alltag keine Zeit und keine Nerven für solche unspektakulär schöne Platten haben. (Reine spekulative Provokation.) Nevermind! Was hat sich inzwischen getan bei Tony & Co.? Den Hörer und den Kritiker dürstet es schließlich ständig nach Neuem, nach einer Entwicklung oder Veränderung – aber bitte auch nicht zuviel davon! Und es lässt sich berichten, dass die Great Lake Swimmers Fahrt aufgenommen haben. Rein musikalisch wurde das Tempo leicht angezogen, was die Stimmung der Songs teilweise ins Fröhliche verschiebt, ohne tatsächlich in Heiterkeit auszubrechen. Die tiefe Melancholie des Vorgängers scheint nicht mehr gar so übermächtig, selbst wenn thematisch keineswegs leichte Kost gereicht wird. “Bodies and Minds” ist nicht ein solcher schwerer Brocken wie das Debüt, stattdessen beinahe eine Hinwendung ans Publikum. Das Album möchte verstanden werden und sich keineswegs in sich selbst zurückziehen. Musikalisch zeigt sich dies wie oben bereits erwähnt im erhöhten Tempo, aber darüber hinaus auch noch in leicht country-esken Klangsprenkeln (beispielsweise in “Various Stages”) und in einer insgesamt erweiterten und präsenteren Instrumentierung. Alles in allem haben sich die Great Lake Swimmers nicht auf den alten Stärken ausgeruht, sondern eine weitere Stufe in die Richtung all unserer anderen kanadischen Lieblinge genommen. Vielleicht wird Tony Dekker mal mit diesen in einem Atemzug genannt, verdient hätte er es bereits heute.
(Fargo Records / Rough Trade)
