Verqueeres zum Thema Geschlechter
Beim Identities Queer Film Festival (2. – 10. Juni) ermitteln u. a. lesbische Mädchen in Schuluniformen ihre Begabungen für Lügen, Betrügen und Töten.
Für die Fähigkeiten der Studentinnen im Lesen, Schreiben und Rechnen interessiert er sich denkbar wenig, der geheime Test, der innerhalb der Eignungsprüfung vor dem College durchgeführt wird. Eher ermittelt er die Crème de la Crème, was Lügen und Betrügen, Kämpfen und Töten betrifft; sie wird sogleich für die paramilitärische Akademie rekrutiert. Alten Festival-Hasen mag diese Rahmenbedingung für uniformierte Girl Pover vielleicht bekannt vorkommen. Vermutlich haben sie während der “Identities” des Jahres 2003 ein Ticket für “D.E.B.S.” ergattert. 11 Minuten lang versuchten vier als Schulmädchen getarnte Undercover-Agentinnen im Rahmen des Kurzfilmprogramms ihre Mitstreiterin Amy aus den Fängen der terroristischen “Lucy in the Sky” zu befreien. Ob diese überhaupt gerettet werden möchte, ist die Frage.
Die pointierte Action-Mini-Komödie gastierte höchst erfolgreich bei diversen Festivals und gipfelte in der Möglichkeit für Regisseurin Angela Robinson, sie in abendfüllendem Format zu realisieren. Was diese natürlich freut: “Ich liebe Comicbuch-Figuren wie die ‘Drei Engel für Charlie’ und ‘Josie & the Pussycats’. Ich habe mir immer gewünscht, dass sie lesbisch sind, aber nie waren sie es.” – Darum hat sie sich ihre eigenen ausgedacht.
Inzwischen ist die “poppige Parodie auf ein bislang höchst latent lesbisches Genre” (Catrin Seefranz) 90 Minuten lang. In karierten Miniröcken und weißen Kniestrümpfen wird das Queer Film Festival Identities heuer eröffnet und bietet vom 2. bis 10. Juni ein schillerndes, facettenreiches Programm.
Auf ein “Best of queer” lassen sich die Identities aber nicht beschränken. Gender Identities werden immer auch in ihrem historischen und politischen Kontext gesehen. Durch vielfältige thematische Schwerpunkte im Programm setzt sich das Festival mit geschichtlichen und aktuell relevanten Fragestellungen auseinander. “HerStory” etwa begibt sich mit Filmen wie Diane Kurys’ “Coup de foudre” mit Miou-Miou und Isabelle Huppert auf lesbische Identitätssuche im politischen und ökonomischen Kontext der Nackriegszeit. Auch Dokumentationen wie der bei der Berlinale ausgezeichnete “Katzenball” werden an dieser Stelle präsentiert. Der Schwerpunkt “Brother to Brother” erweitert gender identity und gender diversity noch um die Aspekte Ethnizität und das Ringen um Rechte anhand der Parallelen von Civil und Gay Rights in der Black Community. In ein wenig bekanntes Thema, “Schwul sein im geteilten Deutschland”, soll ein rarer Einblick gewährt werden, und die “Queer Avantgarde” rückt u. a. Warren Sobert in den Mittelpunkt, der im Umfeld von Andy Warhol wirkte.
Identities Programm:
2. bis 10. Juni in den Kinos Schikaneder, Filmcasino und Gartenbau
www.identities.at
