The Five Obstructions
Das ist er — der perfekte Mensch: so beginnt der 13-minütige Experimentalfilm des dänischen Filmemachers Jørgen Leth (1967), der die Grundlage für das filmische Experiment "The Five Obstructions" darstellt.

Zu sehen ist ein Mann Mitte dreißig. Er trägt einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine Fliege. Er tanzt vor einem weißen, leeren Hintergrund, schnipst mit den Fingern. Eine Antwort darauf, was der perfekte Mensch sei, erfahren wir nicht in “The Perfect Human”, der Zuschauer wird jedoch Zeuge verschiedener Bilder über die Möglichkeiten eines perfekten Menschen. Er hat Augen, Ohren, Nase. Jørgen Leth, Filmemacher, Lebensstilist, Produzent, Dichter und Sportkommentator, war am Dänischen Filminstitut ein Lehrer von Lars von Trier und scheint für von Trier eine Art Alter Ego zu sein. Mit glänzenden Augen erzählt von Trier von “The Perfect Human”, dass er ihn schon 20 Mal gesehen hat und dass der Film ihn am meisten in seiner bisherigen Filmarbeit inspiriert hat. Er fordert Jørgen Leth heraus, seinen Film zu überdenken und fünf mal neu zu drehen – nach den Regeln, die er ihm vorgibt, und Leth machte sich freiwillig zur Marionette eines sehr unkooperativen Produzenten. Zu sehen bekommt man in “The Five Obstructions” einen faszinierenden Film über das Filmen. Wir nehmen teil an Besprechungen, Verabredungen und den Dreharbeiten zu den einzelnen fünf Versionen, die schließlich gezeigt werden. Einblendungen von Ausschnitten aus dem Ausgangswerk ermöglichen einen Vergleich zwischen Alt und Neu. Und wir sehen den Produzenten Lars von Trier, der gegen die Missachtung seiner Bedingungen sehr resolut vorgeht. Leth fungiert als von Triers “Perfect Human” und überwindet sämtliche Auflagen. 12 Bilder pro Einstellung, Kuba als Drehort und der Verzicht auf ein Set sind die Kriterien für den ersten Film, Leth vermutet da noch kopfschüttelnd aber lächelnd “Ein spastischer Film”. Leth muss eine Dinner-Szene am schrecklichsten Ort der Welt nachdrehen und diesen “schrecklichsten Ort” auch noch selbst festlegen. Von Trier sieht nach Sichtung dieses Films seine Auflagen als nicht erfüllt und bestraft Leth damit, dass er für den dritten Film keine Einschränkungen hat, was Leth noch fieser findet.

Am Ende muss er auch noch was in der Richtung Zeichentrick machen, obwohl beide Regisseure Comics hassen. “The Five Obstructions” besticht durch seine Vielschichtigkeit, hier wird mehr als eine Filmgeschichte erzählt. Es ist ein Film über das Filmen und ein Zitat darauf, wie man sich die Produzenten der großen Studiozeit Hollywoods vorstellt. Das Überwinden filmischer Hindernisse spiegelt in hohem Maße die Vorgehensweise Lars von Triers wieder. Die Filmregeln “Dogma 95” werden aktuell. Erneuert nähert er sich der Frage an, was Hindernisse und Auflagen für den kreativen Prozess bedeuten. Von der Akzeptanz der Dogmaregeln in “Idioten” über ein rein theatralisches Tableau ohne jeden Horizont in “Dogville” zeigt uns von Trier nun eine Art Performance. “The Five Obstructions” legt Zeugnis über die Arbeit Lars von Triers und über den Versuch ab, vorgebliche Sicherheit schrittweise zu dekonstruieren, um schließlich zu einer Art “filmischer Wahrheit” zu gelangen. In der letzten Bedingung lässt von Trier Leth einen von ihm verfassten Text vorlesen. “Meine Filme sind ein Bluff, ein Versteck, um mich selbst nicht zeigen zu müssen”, lässt er Leth sagen und meint damit wohl ganz sich selbst, ein nur zu treffender Abschluss für ein Filmexperiment im Stil Lars von Triers.
The Five Obstructions
Dänemark. 2001-2003
Regie, Buch: Lars von Trier, Jørgen Leth
